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Aus dem Schreiben der Ärzte für Immissionsschutz:


24. September 2014
Gesundheitsrisiken und Energiewende
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
wir sind ein Arbeitskreis von Arztkolleginnen und Kollegen mit unterschiedlicher medizinischer
Spezialisierung, aber starkem Interesse an umweltmedizinischen Fragestellungen und deren
pathophysiologischen Grundlagen.

.....

Als Ärzte tragen wir unabhängig von unserer Spezialisierung eine Verantwortung für die
vorbeugende Gesundheit der Bevölkerung. Es gilt vorausgehende potentielle Gefahren und
abwendbar gefährliche Verläufe für die Menschen rechtzeitig aufzuzeigen, um zukünftigen
Schaden abzuwenden.
Dieser Verantwortung folgend, wollen wir auf bislang nur unzureichend medizinisch erforschte
Zusammenhänge, die mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zusammenhängen, aufmerksam
machen.
Insbesondere der vom Niedersächsischen Umweltministerium vorgelegte Entwurfserlass zum
Ausbau der Windenergie wird nicht nur mit einer Fläche von etwa 95.000 Fußballfeldern das
Gesicht Niedersachsens verändern, sondern bedingt auch medizinische abklärungswürdige
Risiken.


Konzentrierte Windkraftanlagen auf konzentrierten Flächen erzeugen konzentrierte Nachteile.


Aus medizinischer Sicht ergeben sich immissionsbedingte gesundheitliche Risiken:
• Schall,
• Infraschall,
• Licht,
• Schlagschatten, bzw. Schattenwurf,
• Compositepartikel bei Bränden, Vibrations‐Resonzschäden,
• Ständige Langzeitwirkungen auf unsere Sinneswelt,
• Veränderung neurobiologischer, kardio‐vaskulärer und endokriner
Systeme

Beeinflussung des optischen Systems und zirkadianen Rhythmus:
Für die Lichtempfindung elektromagnetischer Strahlung (nicht‐visuelle und visuelle
Photonperzeption) bedeutet dies für die Netzhäute die ständige Messung von Farbfrequenzen
zur Bildmusteranalyse bis hin zu ihrer Verfügbarkeit bzw. Expression.
Die primäre Sehrinde (Area 17 im Hinterhauptlappen) ist dazu mit einer weißen
Markscheidenschicht (Gennari Streifen) anatomisch ausgerüstet. Die millisekundenschnelle
Einbeziehung multilokulärer Cortexanteile ermöglicht somit dem Sehsinn die alles
dominierende Hirnfunktion des Menschen.
Jede Körperzelle ist in ihrer Funktion in Raum und Zeit über dieses System synchronisiert.
Entwicklungsbiologisch ist der hier angesprochene Raum‐Zeit‐Sinn sonnenlichtkorreliert der
älteste Sinn der belebten Pflanzen‐ und Tierwelt. Diese Entwicklung beginnt mit der o.a. nicht
visuellen Photoperzeption, die nicht verwechselt werden darf mit der visuellen Wahrnehmung,
die wir als Sehen bezeichnen.
Das Konzept der Chronomedizin, auch in ihren klinischen Dimensionen, beruht auf diesem
beschriebenen Raum‐Zeit‐Sinn.
Immissionen in dieses komplexe biologische System sind klinisch hochrelevant.
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) behandelt die Zulässigkeit bzw. Unzulässigkeit von
Immissionen in unsere Sinneswelt.
Von Befürworterseite wird den modernen Windkraftanlagen per se eine gesundheitliche
Unbedenklichkeit unterstellt, die wissenschaftlich nicht belegt ist. Es fehlen Langzeiterfahrungen
und Messungen an Anlagen in der geplanten Größe und Menge. Weltweit hat sich
herauskristallisiert, dass z.B. ein größerer Abstand weniger schädlichen Einfluss auf Mensch und Tier hat.


Die „Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall” aus dem Bundesumweltministerium, die
im Juni 2014 veröffentlicht worden ist, hat festgestellt:
 dass negative Auswirkungen von Infraschall im Frequenzbereich unter 10 Hz auch bei
Schalldruckpegeln unterhalb der Hörschwelle nicht ausgeschlossen sind
 dass bei tiefen Frequenzen mit steigender Dauer der Exposition die Empfindlichkeit
zunimmt
 dass derzeit für den Infraschallbereich (0,1 bis 20 Hz) keine allgemeingültige Mess‐ und
Beurteilungsvorschrift existiert.
 dass im ganzheitlichen Immissionsschutz auch der Frequenzbereich unter 8 Hz
berücksichtigt werden sollte. (Der Neuentwurf der DIN 45680 berücksichtigt nur
Frequenzen über 8 Hz)
 dass es fraglich ist, ob das Abstrahlungs‐ und Ausbreitungsmodell für kleinere
Windenergieanlagen auf moderne, große Anlagen übertragbar ist. Aufgrund theoretischer
Betrachtungen von Strömungsakustikern ist nicht davon auszugehen. Zudem kann je nach
Ausbreitungsbedingungen der Schalldruckpegel mit zunehmendem Abstand zu‐ statt
abnehmen (Van den Berg 2006)

Insgesamt wird dringend weiterer Forschungsbedarf festgestellt zu Wirkung von und Schutz vor
Infraschall und tieffrequentem Schall.
Eine Erkenntnis lässt sich auf jeden Fall daraus ableiten: Ein großer Abstand zur Windkraft‐
Emissionsquelle stellt eine größere, aber nicht absolute Sicherheit vor emissionsbedingten
Gesundheitsschäden dar.
Der Entwurf zum Windenergieerlass aus Hannover greift diese Information nicht auf und will
Abstände zu den Siedlungen bis 400m ermöglichen. In den Planungen wären Anlagenparks mit
mehr als 10 Windkraftanlagen möglich. Eine derartige Anlagendichte von Riesenwindkraftanlagen
ist bislang ohne Beispiel in Deutschland. Die zukünftigen Anlagen werden Gesamthöhen je Anlage
von über 200m erreichen (Zum Vergleich: Die architektonische Höhe des Kölner Doms beträgt
157m.).
Der Bund lässt über die Länderöffnungsklausel aber Abstände bis zur 10-fachen Anlagenhöhe zu.
Bundesländer wie Bayern nutzen schon diese Option größerer Abstände zum Schutz der
Bevölkerung.
Neben Lärm und optischen Reizen (periodischer Schattenschlag, Nachtbefeuerung) stellt vor allem der von den Windkraftanlagen ausgehende Infraschall eine deutliche Immissionsbelastung dar.
Wie kann dann aber durch ministerielle Broschüren und durch Äußerungen von politischen
Mandatsträgern ständig der Anschein vermittelt werden, dass von niederfrequenten Emissionen keine Gefahren ausgehen können?

Derzeit läuft in Berlin noch das Novellierungsverfahren der DIN 45680 Norm für die
Messung und Beurteilung tieffrequenter Geräuschimmissionen, wozu auch Infraschall
gehört. Diese als Schutznorm für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung gedachte
Regelung sollte den rasanten technischen Entwicklungen der Emissionsquellen einerseits
und dem vertieften Verständnis über gesundheitliche Immissionswirkungen andererseits
Rechnung tragen. Dies ist im derzeitigen Entwurf der DIN 45680 allerdings nicht der Fall
und hat zu einer Fülle von medizinischen und wissenschaftlichen Einsprüchen geführt.
Dies ist in den zuständigen Ministerien in Berlin durchaus bekannt.
Die für die Genehmigungspraxis von Windkraftanlagen gültigen Verordnungen und Normen
zur Abwehr von Emissionsfolgen in Deutschland geben de facto den aktuellen
Wissensstand nicht wieder und lassen daher im internationalen Vergleich wesentlich zu
niedrige Abstände der Emissionsquellen zur Bevölkerung zu. Nicht umsonst haben gerade
die Staaten mit vermehrter infraschallbezogener Forschung dem Bau von
Windkraftanlagen größere Auflagen erteilt (Portugal, Österreich, Polen) oder Baustopps
verfügt, um Forschungsergebnissen nicht vorzugreifen (Australien, Kanada).
Ebenso wenig bieten die TA‐Lärm und die DIN 45680 einen Schutz vor unausweichlichen
periodischen und Langzeitbelastungen durch die Windkraftanlagen.
Gewöhnung als sensibilitätsmindernde Adaptation ist in Bezug auf die neurologische (nicht
psychoakustische!) Verarbeitung von Langzeit‐Niederfrequentem Schall in der Medizin nicht
bekannt.

Im Gegenteil: je länger die Dauer der Exposition, desto mehr rücken unterschwellige Ereignisse
durch Bahnungseffekte in den Bereich der medizinischen Wirksamkeit (Goldenstein 1967,
Ambrose und Rand 2012, Colin H. Hansen 2013).
Selbst die Mess‐ und Auswertungsvorschriften und die benötigten Schallprognosen im
Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen sind nicht zum Schutz der sensiblen Strukturen im menschlichen Organismus (Cochlea, Vestibularorgan) geeignet. Nur mit sensibler Technik
(mikrobarometrische Messverfahren, FFT‐Analyse) lassen sich die sensiblen anatomischen
Strukturen schützen.
Die Problematik ungeeigneter Schutznormen und die Vorgabe im Entwurf zum Windenergieerlass, die Mindestabstände auf 400m herabzusetzen, gewährt lokalen Entscheidungsträgern und kommunalen wie privaten Nutznießern zum Schaden für die Bevölkerung das Recht, entsprechend eigener politischer Erfordernisse und wirtschaftlicher Begehrlichkeiten gewünschte Abstände der Windkraftanlagen frei zu definieren. Verantwortung wird auf die kommunale Ebene verlagert, auf der dann die sich langfristig entwickelnden gesundheitlichen Folgen nicht getragen
werden können
.

Entscheidungskompetenz bekommen diejenigen, die am Ende weder die
Langzeitwirkungen ihrer Entscheidung erfahren, geschweige denn diese zuordnen können.
Ursache und Wirkung dissoziieren mit der Folge, dass politische Verantwortung verwischt wird.

Aus Sorge um die Gesundheit der Menschen und auch im Sinne einer Risikovorsorge
beschäftigen wir uns daher intensiv mit dem Problem der Krankheitsentstehung durch
Schallimmissionen.
Gerade Deutschland zeigt auf dem Feld der niederfrequenten, langwelligen Schallwellen
(= LFN, low frequency noise) seit den 80iger Jahren eine überraschend geringe
Forschungstätigkeit. Deswegen und auf Grund der massiven, bislang leider sehr undifferenzierten
Förderung der Windenergie, die in aktuellen ausländischen Studien bezüglich der
Infraschallproblematik sehr viel kritischer gesehen wird, fühlen wir uns verpflichtet, Sie auf ernste
Probleme hinzuweisen, die wir bei Fortführung der gegenwärtigen Politik riskieren:
1. Die Orientierung an einer “Wahrnehmungsschwelle” ignoriert bekannte
Krankheitsentstehungswege
Pathogene Wirkungen niederfrequenter Schallwellen entstehen tatsächlich auf Grund
physiologischer und neurobiologischer Mechanismen.
Sie müssen von der immer wieder ins Feld geführten Wahrnehmung jeglicher Art getrennt
bewertet werden. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Schallaufnahme bei weitem nicht
nur auf das Gehör (aurikulär) beschränkt ist, sondern auch extraaural stattfindet. Bekannt
sind heute die Schallaufnahme durch die äußeren Haarzellen des Innenohrs (OHCs) und
durch das Gleichgewichtsorgan, wobei die neurologische Verarbeitung und die
pathophysiologischen Auswirkungen jeweils durch Untersuchungen der Hirnströme (EEG)
und entstehende Krankheitssymptome nachweisbar werden (Ising 1978, Kasprzak 2010,
Krahé 2010, Holstein 2011).
Medizinisch erfassbare Wirkungen und neurologische Reaktionen entstehen bei
Langzeitbelastung mit LFN aber auch bei Pegeln deutlich unter der
„Wahrnehmungsschwelle“ durch Bahnungseffekte.
Die Vielzahl der uns vorliegenden
Kasuistiken zu den Langzeiteffekten von LFN zeigen gleichsinnige Verläufe und
Symptomatiken. Die Erregungsschwelle des Gleichgewichtsorgans auf LFN (bei 10Hz etwa
45 dB) ist wesentlich geringer bzw. empfindlicher gegenüber dem Hörorgan! Die heute
bekannte physiologische Funktion der „saccular acoustic sensitivity“ bei der Verarbeitung
akustischer Signale machen plausibel, warum die bislang angesetzte
“Wahrnehmungsschwelle” als Schutzgrenze unbrauchbar ist.

Die Verortung der gefundenen Symptome auf der Pegel‐Frequenzgrafik von Ebner (Abb.1)
zeigt deutlich, wie willkürlich die “Wahrnehmungsschwelle” der DIN 45680 das Feld der
medizinischen Wirkungen durchschneidet. Anerkannte wissenschaftliche Literatur
(Wysocki 1980, Ising 1978, Danielsson 1985) zeigt auf, dass die “Wahrnehmungsschwelle”
als untere Grenze des Gesundheitsschutzes heute nicht mehr akzeptabel ist.
Eine neue Definition des Mindestschutzniveaus für die Bevölkerung gegenüber der
zunehmenden Durchsetzung unseres Lebensraumes durch LFN ist daher dringend geboten:
Eine auf den vorliegenden medizinischen Wirkungen basierende „Wirkungsschwelle“
muss zukünftig den Rahmen der für tolerierbar erachteten gesundheitlichen Belastung der
Bevölkerung abstecken und gleichzeitig der technischen Entwicklung als Wegweiser in eine
menschenfreundlichere Richtung dienen.
2. Kurzzeitmessungen ignorieren Langzeitfolgen
Die im aktuellen DIN‐45680‐Entwurf bislang beschriebenen Infraschallwirkungen betreffen
in der Regel höhere Pegel und kurzzeitige Expositionen. Die Norm ist „langzeitblind“,
genau wie gerne zitierte Laboruntersuchungen zur Infraschallproblematik. Es ist aber in der
Medizin bekannt, dass chronische Krankheiten nach dem Dosis‐Wirkungsprinzip (Dosis im
Körper ist das Produkt aus Intensität mal Wirkungsdauer) auch durch unterschwellige
Reize bzw. Stressoren entstehen können, sofern die Schädigungsdauer und die Periodizität
zu einer Summation von selbst unterschwelligen Wirkungen führen. „Die Dosis macht das
Gift“. Gewöhnung als sensibilitätsmindernde Adaptation ist in Bezug auf die
neurologische (nicht psychoakustische!) Verarbeitung von Langzeit‐LFN in der Medizin
nicht bekannt.

Im Gegenteil: je länger die Dauer der Exposition, desto mehr rücken unterschwellige
Ereignisse, durch Bahnungseffekte, z.B. durch die Torwächterfunktion des limbischen
Systems in den Bereich der medizinischen Wirksamkeit bzw. Wahrnehmung. Dieser
Wirkmechanismus ist auch bei der Entstehung des Tinnitus beteiligt.
Gleiches gilt auch für das Auftreten periodischer LFN‐Ereignisse. Verarbeitungsstrategien
gegenüber periodisch einwirkenden unterschwelligen Noxen sind in der Natur nicht
bekannt (Mausfeld 1999) und werden auch beim Menschen nicht wirksam. Dies macht
plausibel, warum Infraschallfolgen erst nach Monaten oder Jahren der
vorausgegangenen periodischen Belastung entstehen können und die Ursache der
Erkrankungen somit verschleiert wird.
3. Tonalität und Impulshaltigkeit werden unterbewertet
Entscheidend für die Wahrscheinlichkeit des Auftretens und die Schwere der Symptome
sind neben dem Pegel und der Dauer der Exposition gegenüber LFN vor allem das
Vorhandensein tonaler/schmalbandiger Spitzen und spektraler Auffälligkeiten. Diese
erfahren durch Resonanzphänomene in den Wohnräumen der Betroffenen eher eine
Verstärkung als dies für breitbandige Geräusche der Fall ist (Ambrose / Rand 2012). Tonale
Komponenten in tieffrequenten Geräuschen sind typisch für technischen Quellen, die LFN
emittieren.
Sie tragen durch ihre charakteristischen Eigenschaften (Pegel über Hintergrund,
Frequenzstabilität) ganz wesentlich zu der Schädigungs‐ und Störwirkung tieffrequenter
Schallbelastungen bei (Inukai 2004/2005). Die besondere Bedeutung tonaler Anteile sind in
der Akustik und Lärmwirkungsforschung seit Jahren bekannt und die zugrundeliegenden
Mechanismen in der neuronalen Verarbeitung von Schallreizen begründet.
Die besondere Empfindlichkeit des Menschen für periodische Schallreize tiefer
Frequenzen auch unterhalb der Hörschwelle wurde erstmalig schon 1967 belegt
(Goldenstein). Die besondere Relevanz auch unterschwelliger tonaler Spitzen wurde jüngst
erneut sowohl von Ambrose und Rand (2012) als auch von Colin H. Hansen (2013)
bestätigt. Die laut Windenergieerlassentwurf angestrebte Menge an Windkraftanlagen
wird in Bezug auf die Tonhaltigkeit und Impulshaltigkeit der Schallemissionen von
Windenergieanlagen eine unzumutbare Belastung der Bevölkerung darstellen.

4. Derzeitig benutzte Messtechnik, Auswertungsverfahren und Schallprognosen sind für
Infraschall ungeeignet
Die sensiblen Strukturen im menschlichen Organismus (Cochlea, Vestibularorgan) können
durch Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung auch relativ schwacher und
niederfrequenter Schallimmissionen geschädigt werden.
Es gilt also: die Verfeinerung der
Mess‐ und Auswertungstechnik muss mit der Erkenntnis niedrigerer Wirkungsschwellen
Schritt halten. Nur mit sensibler Technik (mikrobarometrische Messverfahren, FFT‐Analyse)
lassen sich sensible Strukturen schützen. Die in der angestrebten Neufassung der DIN
45680 beschriebene veraltete Messtechnik und die vereinfachten Auswertungsmethoden
sind daher nicht mehr zeitgemäß und erfüllen weder qualitativ noch quantitativ die
Erfassungsanforderungen, die notwendig sind, das Ziel dieser Norm zu erfüllen: Den
Gesundheitsschutz der von den Immissionen betroffenen Menschen.
Neben der optischen Bedrängung und der psychologischen Beeinträchtigung durch Verlust
von (er)lebenswerter natürlicher Umgebung und heimatstiftender Landschaft, sind
Anwohner von Windkraftanlagen gesundheitlich relevanten Schallemissionen ausgesetzt.
Sowohl im hörbaren aber vor allem auch im nicht‐hörbaren Bereich erzeugen (Infra‐)
Schallwellen in sehr häufigen Fällen (10‐30%) gesundheitliche Beeinträchtigungen und
schwerwiegende Erkrankungen. Bereits heute gehören Schlafstörungen, Herz‐ und
Kreislaufprobleme, Herzrasen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Unruhe, Nervosität,
Reizbarkeit, Konzentrations‐schwierigkeiten, rasche Ermüdung, verminderte
Leistungsfähigkeit, Depressionen und Angstzustände zu den vielfach dokumentierten
Symptomen. Zunehmend zeigen sich neurologische Folgen von periodischen und
Langzeitexpositionen. Die Abwehr dieser Gesundheitsschäden hält in Deutschland derzeit
nicht Schritt mit der geplanten flächendeckenden, bedrängenden Entwicklung der
Windkraft: Die Abwehr von Gesundheitsschäden kann nicht einer gewollten technischen
Entwicklung geopfert werden, sondern muss zwingend mit derjenigen Schritt halten.
Als Ärzte sehen wir uns in der Pflicht, die Menschen vor den gesundheitlichen Nachteilen einer
zunehmenden Technisierung unserer Umwelt zu schützen. Gesundheitliche Schutzbereiche sind
nicht verhandelbar und dürfen nicht zum politischen Tauschobjekt werden.
Wir wollen vermeiden, dass Menschen aufgrund fehlender Risikovorsorge erkranken.

Wir fordern angesichts der erheblichen Belastungen, die die politisch beschlossene Energiewende
für die Gesundheit und Lebensqualität durch die geplante flächendeckende Aufstellung von
Windkraftrotoren nach sich ziehen werden, diesen Erlassentwurf in Niedersachsen so nicht
umzusetzen:
• aufgrund der bislang noch nie dagewesenen Menge an Riesenwindkraftanlagen mit zu
geringem Abstand zur Wohnbebauung
• und den bislang nicht hinreichend erforschten Gesundheitsrisiken durch Infraschall
• das unerforschte Risiko durch Immissionen für Menschen, Schaden zu nehmen, ist zu groß.
Die Gesundheit ist das höchste Gut, welches wir besitzen. Es gibt bereits jetzt ausreichende
wissenschaftliche Hinweise, die belegen, dass Windkraftanlagenplanungen wie vorgesehen,
nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen genügen, um eine medizinische Unbedenklichkeit zu
formulieren.
Der Erlassentwurf aus dem Niedersächsischen Umweltministerium stellt ein unkalkulierbares
Gesundheitsrisiko für die betroffene Bevölkerung dar.
Da es der breiteren medizinischen Öffentlichkeit bislang nicht möglich war profunde Kenntnisse
immissionsbedingter Gesundheitsschäden zu erlangen, schlagen wir vor, mit den Kolleginnen und
Kollegen des Arbeitskreises Gesundheit und Umwelt eine gemeinsame Infoveranstaltung zu
entwickeln. Weiterhin setzen wir uns für weitere Forschung auf diesem Gebiet vor weiterem
Ausbau der Windenergie ein. Ohne medizinische Grundlagenforschung bei offensichtlichen
Nebenwirkungen darf kein technologischer Wandel in diesem Land vollzogen werden.
Ärzte stehen hier in der Verantwortung, ihre Stimme zu erheben und Fehlentwicklungen zu
verhindern.
Mit kollegialen Grüßen
Dr. med. Rolf Sammeck Dr. med. Thomas Carl Stiller Dr. med. Anita Schmidt‐Jochheim
Dr. med. Eberhard Franz Dr. med. Martina Ohlmer Dr. med. Ulrike Diehl
Dr. med. Michael Jäkel Dr. med. Herbert Klengel

 

 
Bürgerinitiative zum Schutz des Hochschwarzwaldes e.V.  | hj at oehm.de